Diese Seite und die dazugehörigen Folgeseiten sind ein Projekt des Vereins zur Erinnerungskultur und der Geschichte der Stadt Haltern in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Diese Seiten werden laufend erweitert und wir gehen davon aus, dass wir das Projekt in diesem Jahr noch nicht abschließen können. Wir sind ständig auf der Suche nach (Bild-) Material zu Haltern aus der Zeit 1914 - 1950. Sollten Sie uns bei dem Projekt helfen können, nehmen Sie bitte mit dem Web-Master Kontakt auf. Insbesondere bitten wir um Hinweise, wenn uns in der Darstellung (basierend auf Befragungen noch lebender Zeitzeugen) Fehler unterlaufen sein sollten.
Vom 1. Weltkrieg bis 1933: Anfänge der NS-Herrschaft
Im Jahre 1920 wurde der Völkische Beobachter die offizielle Parteizeitung der NSDAP. 1921 wurde Hitler Parteivorsitzender. Im gleichen Jahr wird die SA gegründet. Schon früh begannen Anhänger Hitlers deutsch-völkische Gruppierungen in die NSDAP einzubinden. Die Entwicklung der Halterner NS-Organisation begann 1921, als ein Oberkellner Schubert den Halterner Deutsch-Völkischen-Block("Kronenklub") in die NSDAP führte.
aus: Philipp Schaefer, Geschichte der Stadt Haltern, Münster 1939
Parallel dazu begann der Aufbau der Halterner SA. Nach Schuberts Weggang von Haltern übernahm Dr. Hubbert die Parteiführung. Das Verbot der NSDAP in Preussen am 18.11.1922 (bis zum 27.02.1925) hinderte Hubbert nicht, durch Anwerbung neuer Mitglieder die Basis der NSDAP in Haltern zu vergrößern. Bis zu seinem Tod im Februar 1926 stieg die Zahl der Mitglieder von 30 auf 100.
Nach Gründung der HJ auf einem NSDAP-Parteitag am 3. Juli 1926 begann auch in Haltern der Aufbau der HJ-Organisation. Die Halterner SA war bereits in der 2. Hälfte der 1920er Jahre stark genug, um auch auswärts auf Parteiveranstaltungen der NSDAP eingesetzt zu werden.
Bernhard Gerwert, ein junger Sythener SA-Mann verstirbt im April 1928 an einer Blindarmentzündung. Die NSDAP erfindet einen politischen Mord und stilisiert Gerwert in der Folgezeit zu einem "Blutzeugen der Bewegung".
Die Halterner Nationalsozialisten schreckten in ihrem Terror gegen Andersdenkende vor Mord nicht zurück: "Im Juli 1932 wurde der Reichsbannermann Willi Rickert aus Dülmen auf dem Westring in Dülmen vor dem Haus Nr. 40 von einer Gruppe SA-Leute durch Bauchschuß tödlich verletzt. Die Leitung des Überfalls hatte der SA-Sturmführer Josef Korber aus Haltern." (Lit. 10) Außer Korber waren auch andere namentlich nicht bekannte SA-Männer aus Haltern beteiligt. 1938 rühmt der NSDAP-Ortsgruppenleiter Illian die Halterner SA: "Sie entstanden,
geführt von den aktivsten und kompromißlosesten Kämpfern, den Pg. Josef Korber und Heina [Heinrich]
Capitaine." (Lit. 4)
Bis zum 30. Januar 1933 hatte die NSDAP mit ihren verschiedenen Unterorganisationen in Haltern Fuß gefasst: es existierten u.a. NS-Frauenschaft (ab 1932), Hitler-Jugend, SA und SS (ab April 1932).
(Daten aus: Friedrich Illian, Der Kampf für das III. Reich, in: Philipp Schaefer, Geschichte der Stadt Haltern, Münster 1939, S. 373ff; NS-Autoren neigten zu einer Glorifizierung der "Anfangstage der Bewegung". Es ist nicht gesichert, dass Illians Angaben zur Mitgliederstärke der NSDAP korrekt sind.)
Zeittafel Haltern 1933 - 1945
(Diese Zeittafel - erstmals von der Stadtbücherei Haltern Ende der 1980er Jahre herausgegeben - wird laufend ergänzt.)
1933
30.Januar 1933: Hitler wird Reichskanzler
Direkt nach der Reichstagswahl wird in Haltern der NS-Lehrerbund begründet
Einführung der preußischen Gemeindeordnung.
Clemens August Graf von Galen (geb. Dinklage 16.03.1878; gest. Münster 22.03.1946) neuer Bischof in Münster.
12. März:
Bei den Kommunalwahlen der Stadt wird die NSDAP erstmalig stärkste Partei.
(1.915 Stimmen = 43,6 % NSDAP, 40,3 % Zentrum); Haltern Amt: Zentrum 54,5 %, NSDAP 30,8 %
22. März: In der Nacht, als die Halterner Bevölkerung den Sieg Hitlers feierte, ereignete sich auf dem Marktplatz bei dem Zusammenstoß zweier Lastwagen eine schwere Explosion. Hierbei kommen 5 Erwachsene darunter 2 Feuerwehrmänner und 2 Polizisten ums Leben.
10. April 1933:
Erste Sitzung der neugewählten Stadtverordnetenversammlung wird der Ortsgruppenleiter
der NSDAP, Gastwirt Robert Schroeder, einstimmig zum unbesoldeten
Beigeordneten, ein weiterer Nationalsozialist zum Stadtverordneten-
Vorsteher gewählt.
10.April 1933: Göring wird preussischer Ministerpräsident
20. April: Reichspräsident von Hindenburg und Reichskanzler Adolf Hitler wird die Ehrenbürgerschaft der Stadt Haltern angetragen. Hindenburg verstirbt 1934 bevor er die Ehrung annehmen kann. Hitler wird im folgenden Jahr Ehrenbürger Halterns.
29. April 1933: Es ist offensichtlich, dass die NSDAP bereits kurz nach der Regierungsübernahme am 30. Januar mit Vorbereitungen auf einen Krieg beginnt:: Göring gründet den Reichsluftschutzbund
9. Mai: Ein Runderlass des Preußischen Innenministeriums legt den Verwaltungsakt: "Umbenennung von Straßen und Gebäuden" in die Hände der Polizei. In einer Verordnung des Reichsministers Frick vom 01.04.1939 heißt es: "Die Bennenung von Straßen, Plätzen und Brücken bedarf der Zustimmung des Beauftragten der NSDAP." In Haltern kam es zu folgenden Umbenennungen:
Name in der NS-Zeit
alter / heutiger Name
Bernhard Gerwert-Straße
Sixtusstraße
Ludwig Knickmann-Straße
Recklinghäuser Straße / Rochford Straße
Adolf Hitler-Platz
Römerplatz/Kardinal Graf von Galen-Platz
Hindenburg-Wall
Friedrich Ebert-Wall / Hochstraße B 58
Horst Wessel Schule
ehemalige evangelische Schule, Ecke Römer-/Lavesumer Straße
Ludwig Knickmann Schule
Annaschule, Drususstraße
Richthofschule
Marienschule
Bernhard Gerwert: Gerwert war ein sog. NSDAP-Blutzeuge. Der 17 jährige Sythener SA-Mann Gerwert soll entsprechend der NS-Propaganda im April 1928 von vier Kommunisten ermordet worden sein. Nach Kriegsende erklärt sein Vater, dass Bernhard Gerwert an einen Blindarmentzündung gestorben sei.
Ludwig Knickmann wurde von den Nationalsozialisten zum Freiheitskämpfer stilisiert. Er verübte Sabotage in dem von Franzosen besetzten Ruhrgebiet. Am 21.06.1923 wird er bei einem Schußwechsel mit einer Militärpatrouille verletzt. Knickmann ertrinkt beim Durchschwimmen der Lippe.
10. Mai: Zwangsauflösung der SPD
Die ersten Parolen "Juden raus" und Boykottaufrufe tauchen des
27. Juli: Die letzten drei Zentrums-Mitglieder des
Stadtrats werden durch die NSDAP-Mitglieder gezwungen, den
Sitzungssaal zu verlassen.
1. September: Der bisherige Bürgermeister Altemühle wird nach Neubeckum versetzt. Er wird ersetzt durch den bisherigen Bürgermeister von Neubeckum: Karl Schenuit.
23. Oktober: Die evangelische Schule wird nach Erweiterung eingeweiht und erhält den Namen: Horst Wessel Schule
Baubeginn der Siedlung an der Weseler Straße. Bis 1939 entstehen dort in 5 Bauabschnitten 125 Siedlungshäuser. Dieser Baumassnahme rühmt sich Friedrich Illian, Stadtbaumeister der Stadt Haltern (und gleichzeitig SS-Hauptsturmführer und Leiter der NSDAP-Ortsgruppe) in dem 1939 veröffentlichten Buch: Philipp Schaefer, Geschichte der Stadt Haltern, Münster, 1939.
27.11.1933: Kraft durch Freude wird gegründet
In Haltern existiert ein selbständiger SS Trupp (Teil des Sturms 1 I/19 Recklinghausen). Aufgrund der zahlreichen Meldungen zur SS wird in Haltern der SS Sturm 6 II/19 aufgestellt. Haltern wird Sitz des Sturmbannes II/19 mit "Dienstsitz" in einem Pavillon am Bahnhof. (Das Gebäude existiert nicht mehr.)
Marktplatz (ca. 1933)
1934
Am See wird eine Bannführerschule der Hitlerjugend [HJ-Bann 252 (Vest) oder HJ-Bann Vest (252)] errichtet. Sie wird unweit des 1930 eröffneten Freibads gebaut und ist die erste im Hitlerjugend-Gebiet Westfalen. Das Grundstück stellte die Seegesellschaft Haltern bereit. Die Finanzierung übernahm der Kreis Recklinghausen mit einem Zuschuss von Gelsenwasser.
20. Juli: die SS wird eine selbstständige Organisation innerhalb der NSDAP.
21. August: Der Bürgermeister der Stadt (Schenuit) wird in Personalunion auch Bürgermeister des Amtes Haltern (bis 1939).
Gründung der Marine-HJ in Haltern; Zu den Veranstaltungen trifft sich die Marine-HJ in der im gleichen Jahr errichteten Bannführerschule am See.
1. November 1934: Adolf Hitler wird Ehrenbürger der Stadt Haltern
1935
26. Juni: Einführung der Arbeitsdienstpflicht
07. Juli: Der Bischof von Münster Clemens August von Galen predigt vor einer unübersehbaren Menschenmenge auf dem Annaberg.
15. September: Die Hakenkreuzfahne wird Reichsflagge
1935 - 1945: Studienassessor a. D. Heinrich Hahmann Leiter der Halterner Rektoratsschule.
Gründung der Flieger-HJ in Haltern
Beschlagnahme des katholischen Kirchenblattes in Haltern und Verbot
des Arbeitervereins St.Sixtus.
1936
Die Westruper Heide wird Naturschutzgebiet.
24. August: Einführung der 2 jährigen Dienstpflicht
1. Januar 1937: Butter, Magarine und Schmalz werden rationiert.
Im Frühjahr wird die regionale Organisationsstruktur der westfälischen Hitlerjugend den aktuellen Kreisgrenzen angepasst. Haltern gehört jetzt als selbständiger Unterbann zum HJ-Bann 252 (Vest).
Umwandlung der Rektoratsschule in eine Oberschule als Zubringerschule. Wegen starken ansteigens der Schülerzahl wird ein weiterer Schulraum durch Umbau geschaffen. In Zukunft nur noch 2 Fremdsprachen: Englisch ab Sexta, Latein ab Quarta, Griechisch läuft aus. Die Gesamtschulzeit beträgt 12 Jahre. Das bisherige altsprachliche Gymnasium wird nur noch in Orten mit mehreren höheren Schulen als zahlenmäßig geringe Nebenform geduldet.
Die NSDAP hat in allen Lebensbereichen Halterns Fuss gefasst.
Handwerkerausstellung 1937 auf dem Marktplatz in Haltern
Am Stausee wird eine Seilbahn zur Vertiefung des Sees in Betrieb genommen.
1938
In Haltern existiert ein Reitersturm und 3 SA-Stürme der Standarte 143 (mit Sitz in Recklinghausen).
Die Halterner SS errichtet eine Unterkunft auf dem Richthof.
Auf Beschluss der Stadtverordneten wird der Kirchenpatron St.Sixtus als
Schildhalter vom Stadtwappen entfernt.
09. November: In der sogenannten “Reichskristallnacht“ werden Halterner jüdischen Familien verhaftet. Ihre Wohnungen werden von Mitgliedern der NSDAP geräumt. Die Einrichtungsgegenstände werden durch die Fenster auf die Straßen geworfen und zerstört oder verbrannt. Die Synagoge an der unteren Rekumer Straße wird abgebrochen. Alexander Lebenstein, in Haltern gebohren und Ehrenbürger der Stadt Haltern am See erinnert sich:"A whole group of people came storming to the cemetry. And we thought that they really were coming for us, that we were sold out, and we huddled together very frightened. There were two other people, two or three other people. I don´t remember exactly, from the community with us hiding here. And we just huddled together and prayed. I guess that time God really listened to our prayers because these Nazis came to destroy and desecrate the cermetry, to destroy the stones. And that´s exactly what they did. They plundered the stones: they broke up the stones, the memorials. They stampeded over the graves and suddenly they left, and they were staatisfied how they destroyed the cemetry and they left, and they didn´t find us. So we were saved for that night." (abgedruckt in: 48 hours of Kristallnacht: night of destruktion/dawn of the Holocaust, Michell Geoffrey Bard, Guilford CT/USA 2008) - weitere Augenzeugenberichte
Haltern, 9. November 1938, Rekumer Straße
Die Halterner Ortsgruppe der Deutschen Arbeitsfront (DAF) hat ca. 2200 Mitglieder.
20. Dezember: Die konfessionellen Schulen werden aufgelöst. (ab 01.04 1939: Gemeinschaftsschulen)
1939
Nach Einführung der Gemeinschaftsschule im Deutschen Reich übernimmt die Berufsschule Haltern die evangelische “Horst-Wessel-Schule“.
01. April: Im Rahmen der Einführung der Gemeinschaftsschule wird die „Marienschule“ in „Richthofschule“ umbenannt.
Im Laufe des Jahres wird ein Rohr- und Walzwerk (Faradit-Werk) nach Erwerb der alten Nagelschmiede Rumpf errichtet.
05. Mai: Der Rat beschließt den Ankauf von Haus und Grundstück Rekumer Straße 5 (Eigentümer der Jude Heinrich Daniel) und des jüdischen Friedhofs. In diesem Gebäude wird später die Stadtbücherei untergebracht. Die Verhandlungen mit dem Eigentümer dauern bis Juni 1941
Juni: Der Verein für Geschichte und Altertumskunde Haltern übereignet durch Schenkung der Stadt Haltern das Museumsgebäude neben der Rektoratsschule mit sämtlichen darin aufbewahrten Gegenständen.
Im Juni wird in einer Festwoche die 650-Jahrfeier der Stadtgründung begangen. Ein historischer Festzug mit Darstellungen aus der Halterner Geschichte bilden den Höhepunkt.
24. August 1939 (mit Datum vom 23. August 1939 in Moskau): Abschluß des Hitler-Stalin Pakts in Moskau. In einem Zusatzprotokoll wurde die Teilung Polens beschlossen. Stalin wurde Ostpolen zugesprochen. Der deutschen Bevölkerung war bereits im Vorjahr (indirekt) bekannt gegeben worden, welchen Teil Polens Hitler beanspruchte. In Meyers großem Hausatlas, Leipzig 1938, war der "deutsche Anteil an Polen" veröffentlicht. An diesem Gebietszuwachs der UdSSR konnte Stalin auch nach dem Krieg festhalten. Dies führte zur Vertreibung der polnischen Bevölkerung aus Ostpolens (ab Ende 1944) und der Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus den Gebieten östlich von Oder und Neiße.
Die östliche Grenze des "Deutschen Interessensgebietes" stimmt annäherungsweise mit der Teilungslinie überein, die Ribbentrop und Molotow in den Moskauer Verhandlungen festgelegt hatten.
22. September: Die noch in Haltern lebenden jüdischen Familien Lebenstein, Meyer und Cohn dürfen nur noch in 6 Geschäften der Stadt einkaufen. (1 Lebensmittelgeschäft, 1 Konfektionsgeschäft, 1 Schuhgeschäft, 1 Bäckerei, 1 Gemüseladen, 1 Fleischerei).
November: Die Persunalunion Bürgermeister für Stadt und Amt Haltern wird aufgelöst. Carl Schenuit bleibt Bürgermeister der Stadt, Josef Kruse (bis dahin Amtsbürgermeister in Peckelsheim, Kreis Höxter) wird Amtsbürgermeister.
1940
11. Mai: In dieser Nacht fallen an der Burbrockstraße die ersten Sprengbomben, die allerdings nur geringen Schaden anrichten.
31. Oktober: Obwohl im Hause Rekumer Straße 5 noch jüdische Bürger der Stadt Haltern leben, beschließt der Rat der Stadt Haltern die Einrichtung einer Bücherei in diesem Gebäude. Voraussichtliche Kosten RM 10000.
14. November: Ein verheerender Sturm dezimiert den Halterner Stadtforst um über 22 000 Festmeter.
1941
Die Rektoratkirche in Lavesum wird zur Pfarrkirche erhoben, nachdem im Vorjahr bereits das Sythener Rektorat zur selbständigen Pfarre erhoben worden war.
02. April:
Der Sythener Bauer Johann Unterberg wird denunziert, weil er trotz der geltenden Kriegswirtschaftsverordnung, den Juden Hermann Cohn „schwarz“ (also ohne Lebensmittelmarken) mit Lebensmitteln (u. a. 24 Eier) versorgt. Beide werden „zur Abschreckung“ öffentlich durch die Stadt geführt. Hermann Cohn muss ein Schild mit folgendem Text tragen: „Diese Eier waren für den Juden Cohn bestimmt“.
03. April: Es ist ein Zeitungsbericht erhalten, in dem Halterner Bürger Cohn und Unterberg gedemütigt werden.
Ostern: Die Rektoratsschule in Haltern wird „Zubringerschule“ für Dülmen. Erst von diesem Zeitpunkt an, hat Haltern eine zwar nicht vollständige aber doch in sich selbständige höhere Schule. Damit kann sie in eigener Zuständigkeit die Reife für den Besuch der Untersekunda einer höheren Schule zuerkennen. Folgerichtig wechselt die Schule von der Aufsicht der Regierung, der die mittleren Schulen unterstehen, in den Aufsichtsbereich der höheren Schulen über. Die Mädchen, die ihre eigene Sprachenfolge beibehalten haben, setzen ihre Fortbildung in Dorsten oder Recklinghausen fort.
15. Juni: Das Kolpinghaus wird beschlagnahmt.
2.10. 1941 Auf Grund einer Verfügung der Gestapo Münster dürfen die in Haltern verbliebenen Mitglieder der Familien Lebenstein, Meyer und Cohn vom 2. Oktober 1941 nur noch in sechs Geschäften der Stadt - einem Lebensmittel-, einem Konfektions-, einem Schuhgeschäft, einer Bäckerei, einem Gemüseladen und einer Fleischerei - einkaufen.
18.11.1941 Die Gestapoleitung Münster erlässt Maßregeln für die „Evakuierung von Juden“. Am 13.12.1941 beginnen die Deportationen westfälischer Juden nach Osten in den Tod.
Clemens August Graf von Galen, Bischof von Münster, hält im Dom seine 3 weltberühmten Predigten.
10.01.1942 Natan, Lotte und Alexander Lebenstein, Hermann Cohn und Jenny Kleeberg unterschreiben eine Erklärung, dass sie alle nicht in der Lage sind, die für den Abtransport geforderten 50 RM mitzubringen.
27.01.1942 Die letzen in Haltern verblieben Juden, Natan, Lotte und Alexander Lebenstein, Hermann Cohn und Jenny Kleeberg werden nach Gelsenkirchen verbracht, von wo aus sie mit weiteren 1200 jüdischen Mitbürgern ins Konzentrationslager nach Riga abtransportiert werden
April: Hitler ordnet die Einrichtung von Wehrertüchtigungs-Lagern (WEL) der HJ im Deutschen Reich an. Im Kreis Recklinghausen werden die Jugendherbergen Oer und Haltern zum Wehrertüchtigungslager.
18. 6.1942 Die Stadt Haltern kauft das Anwesen Rekumer Str. 5 (ehem. Lehrerhaus u. Synagoge) für 2966 RM und den jüdischen Friedhof für 5787 RM auf. Im Untergeschoss wird eine städtische Bücherei eingerichtet. Sie wird von der Deutschen Zentralstelle für Volkstümliches Büchereiwesen in Leipzig eigerichtet und von der Lehrerin Frau Bülling verwaltet. Das Obergeschoss wird der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) zur Verfügung gestellt.
1943
26. Juni: In dieser Nacht kommt der erste Einwohner Halterns durch Sprengbomben ums Leben. Es ist der 15jährige Heinz Book, Lavesurner Straße. Das Wohnhaus seiner Eltern wird fast völlig zerstört.
10. Oktober: An einem sommerlichen Sonntagnachmittag fliegen zahlreiche Bombenflugzeuge zum Angriff auf Münster über Haltern. Einige Sprengbomben (Notabwürfe) fallen auch in der Stadt. Das Haus Lohkamp am Alisowall wird durch einen Volltreffer vollständig zerstört. Im getroffenen Luftschutzkeller des Hauses kommen 8 Menschen zu Tode.
1944
Der NSDAP-Ortsgruppenleiter Friedrich Illian wird eingezogen (SS oder Wehrmacht; bisher nicht bekannt). Nachfolger wird der am 28. April 1892 in Mollseifen, Kreis Wittgenstein, geborene Lehrer Waldemar Benfer.
28. Oktober: Ein abgestürzter kanadischer Pilot wird von Johann Wilhelm Lütfring (politischer Leiter in der NSDAP) ermordet. Lütfring war zusammen mit dem Gauleiter Westfalen Nord Dr. Alfred Meyer auf der Helenenhöhe in einer Bunkeranlage, in der Meyer sein Hauptquartier Reichsgau Westfalen Nord eingerichtet hatte. Meyer setzte sich am Kriegsende mit den zurückweichenden deutschen Truppen aus Haltern ab und beging am 11. April 1945 in der Nähe von Hessisch Oldendorf Selbstmord. (Meyer war Teilnehmer der Wannsee-Konferenz, auf der die Ermordung der europäischen Juden beschlossen wurde.) Lütfring hatte sich zusammen mit Meyer aus Haltern abgesetzt und wird im Januar 1946 von einer britischen Einheit verhaftet. Er wird 1947 durch ein britisches Militärgericht in Hamburg verurteilt und hingerichtet.
1945
In den letzten Kriegsmonaten Januar - März erleidet Haltern die stärksten Luftangriffe des Krieges. Tiefflieger und Bombengeschwader greifen fast täglich die Stadt, insbesondere die Bahnanlagen, an. 53 Todesopfer sind zu beklagen, davon allein 11 Opfer durch einen Volltreffer auf einen Röhrenbunker an der Merschstraße.
3. Februar: Alliierte Tiefflieger greifen die Gau-Befehlsstelle Westfalen-Nord auf der Helenenhöhe an.
9. Februar: Um den Widerstandswillen der Bevölkerung zu stärken, wird von der NSDAP-Leitung Halterns verstärkt über deutsche Wunderwaffen gesprochen ("Deutschlands setze jetzt seine schärfsten, entscheidenden Waffen ein..."). Diese "Nachrichten" sollen durch ihre Verbreitung als Gerücht glaubhaft wirken.
10. Februar: Auf der Konferenz von Jalta wird die Westverschiebung Polens beschlossen. (Die Bevölkerungsbewegungen durch die Ausweisung der Einwohner aus dem jeweiligen Wohngebiet kommentiert Churchill: "Wie Soldaten, die seitlich wegtreten"). Am Nachmittag des 10. Februar setzt Stalin durch, das sowjetische Staatsangehörige bevorzugt und auch gegen ihren Willen in die UdSSR repratiiert werden. Dies sollte in den Folgemonaten schwerwiegende Folgen für sowjetische DPs haben.
PRISONERS OF WAR
THE PRIMEMINISTER spoke of the embarrassment caused us by the large number of Russian prisoners in the west. We had about 100,000 of them. 11,000 had already been transported home, and 7,000 more would leave this month. He wanted to know the Marshal's wishes about the rest.
MARSHAL STALIN hoped they could be sent to Russia as quickly as possible. He asked that they should not be ill-treated and that they should be segregated from the Germans. The Soviet Government looked upon all of them as Soviet citizens. He asked that there should be no attempt to induce any of them to refuse repatriation. Those who had agreed to fight for the Germans could be dealt with on their return to Russia.
National Archives UK, Catalogue Reference: cab/66/63/12
09. März: Durch Fliegerangriff werden die Rektoratsschule, das Museum, die Sparkasse, die Post, 8 Wohnhäuser und Wohnbaracken von Zwangsarbeitern zerstört. Während des Angriffs kamen 5 belgische und holländische Zwangsarbeiter ums Leben, die sich in ihrer Wohnbaracke am Walzenwehr aufhielten. Ihr Grab befindet sich heute auf dem Sixtus-Friedhof.
15. März: General Eisenhower, Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte erteilt den Befehl, deutsche Kriegsverbrechen zu dokumentieren.
Bildfolge aus: FDR Presidential Library,USA,
Video 348,
Nazi Concentration Camp Footage:
U.S. Army. Director George Stevens. As the Allies reached Germany, General Eisenhower ordered George Stevens to film the concentration camps. The camps are filmed and survivors interviewed. This film was evidence at the Nuremburg Trials.
21. März: Erneuter großer Bombenangriff. Das Krankenhaus, die Weberei und zahlreiche Wohnhäuser geraten in Brand. (23 Todesopfer)
22. März: Das Rathaus und mehrere Häuser im Stadtkern werden durch Volltreffer zerstört.
24. März: Der Volkssturm wird einberufen. Waffen werden nicht ausgegeben: es sind keine vorhanden. Die einberufen Kompanie I soll den Annaberg besetzen, Kompanie II (unter dem Befehl von Oberstudienrat Hahmann) den Abschnitt Sundern. Von 120 Einberufenen erscheinen nur 40. Der als Bataillonsführer eingesetzte SS-Sturmbannführer (stationiert in Hullern) ließ sich nicht blicken.
25. März: Der letzte Lehrgang von Hitler-Jungen des Wehrehrtüchtigungslagers Haltern (Jugendherberge) wird in Richtung Weser abgezogen. Gauleiter Meyer (auf der Helenhöhe) hofft, dass Wehrmacht, Volkssturm und "wehrertüchtigte" Hitler-Jungen eine Verteidigungsstellung aufbauen können. Mitte April geraten daher viele westfälische Hitler-Jungen in alliierte Kriegsgefangenschaft.
26. März: Der Volkssturm erhält nur einige Waffen, z.T. aus dem Krieg gegen Frankreich 1870/71. Zum Glück für die Betroffenen erscheint kein "Führer" dieser Truppe. Nach einigem Warten löst sie sich auf und die einberufenen Halterner gehen nach Hause.
27. März: Die NS-Größen (unter ihnen Dr. Alfred Meyer, Gauleiter Westfalen Nord) im Hauptquartier Reichsgau Westfalen Nord auf der Helenenhöhe fürchten um ihre persönliche Sicherheit. Sie fliehen hinter der zurückweichenden deutschen Front nach Osten. Mit ihnen flieht auch die SA Befehlsstelle des Gaus Westfalen Nord aus Hullern, die Gauamtsleitung der DAF vom Annaberg und die Dienststellen der NSV aus Schloß Sythen.
28. März: Die Brücken über Lippe und Kanal werden durch abziehende deutsche Truppen gesprengt.
29. März: Truppen der alliierten Armee marschieren in Haltern ein. (Frontverlauf)
Aus den Akten des War Office London (National Archives UK in Kew):
Following a period of intense preparation and regrouping, the Ninth U.S. and Second British Armies launched their assault across the Rhine on the night of the 23rd/24th. The attack was delivered on a front stretching from N.E. of Rheinberg to north of Rees and was preceded by heavy artillery and
bomber attacks. Footholds were rapidly gained on the far bank and on the morning of the 24th two airborne divisions were successfully dropped north of Wesel. These airborne forces captured bridges over the River Ijssel and linked up with the ground troops within a few hours. By the 25th a firm hold had been established on a front of 25 miles.
On the right the Ninth XLS. Army pressed
forward east of Dorsten, while in the centre the Second British Army were 15 miles east of Wesel and had cleared Haltern and Borken. On the left resistance has been fierce but British troops have cleared Rees and are steadily forcing the enemy back. Isselburg was captured on the 28th and on the extreme left of the front, forward troops are on the outskirts of Emmerich.
30. März: Soweit es die alliierten Nachrichtendienste konnten, waren die einrückenden amerikanischen Soldaten über die NS-Einrichtungen in Haltern informiert. Ihnen war beispielsweise bekannt, dass in Haltern eine Wehr-Ertüchtigungs-Lager der Hitler-Jugend existierte Mit dem Verbot der NSDAP und ihrer Gliederungen wurde unmittelbar nach dem Kriegsende für Haltern die Tätigkeit der NSDAP unterbunden. Durch das Verbot konnte aber das Denken in den Köpfen der Bevölkerung nicht verhindert werden. Für die aktiven Parteimitglieder war das Kriegsende die "Niederlage", der "Zusammenbruch", für andere das ersehnte Ende des Krieges und das Ende Führerpartei. Aber für alle endet der Krieg im Chaos.
Aus dem Tagebuch einer Zeitzeugin:
"Wir schreiben jetzt schon den 5. April. Eine ganze Woche sind die Amerikaner schon hier. Jeden
Tag sehen wir Lastwagen mit deutschen Kriegsgefangenen durch unsere Stadt fahren. Manchmal
winken sie uns zu, es ist ein trauriges Bild. Nun sind wir schon über eine Woche fort aus
unserem Haus. Und wir sehnen uns danach zurück. Ich weiß, daß meine Eltern sehr darunter
leiden. Was man von der Besatzung hört, ist nichts Gutes. Uberall sind Fälle vorgekommen, wo
Mädchen und Frauen vergewaltigt wurden. Ich hatte immer eine ungeheure Angst davor. Ich ließ
mich überhaupt nicht auf der Straße sehen. Nur eines Morgens kam ein Amerikaner in unser
provisorisches Heim, um eine Kontrolle durchzuführen. Es war ein Soldat der Militärpolizei. Er
gab zuerst meinem Vater Zigaretten. Nach einer Weile kam er wieder und brachte auch mir
Schokolade und Zigaretten. Dieser Amerikaner hat uns sehr imponiert. Er war eine rühmliche Ausnahme.
In unser Haus können wir jetzt nicht mehr. Das ganze Viertel, in dem wir wohnen, ist
mit einem Zaun aus Stacheldraht umgehen, der einem jede Annäherung verwährt. Wir hausen
jetzt in den Trümmern unserer Stadt. Etwas Ordnung haben wir schon wieder geschafft. Man
könnte verzweifeln wenn man sieht, daß man gar nicht vorwärts kommt. Aber die Arbeit hilft uns
über vieles hinweg. Die ständige Sorge, den Magen zufüllen, hält uns in Bewegung. Das ist aber nur der Anfang. Stundenlang steht man Schlange, um ein halbes Brot zu bekommnen. Fleisch gibt es schon seit 14 Tagen nicht mehr. Wie wird das nur weitergehen?"
31. März: Im Westteil der Stadt werden 414 Wohnhäuser zur Unterbringung von ausländischen Zwangsarbeitern durch die US-Armee beschlagnahmt. Dieser Stadtbereich wird mit Stacheldraht eingezäunt. Es gibt drei Tore zu restlichen Bereich der Stadt. In dem so geschaffenen Lager soll die UNRRA (United Nations Relief and Rehabilitation Administration) Displaced Persons (DPs) betreuen. In der Folgezeit - bis zur Auflösung des Lagers im März 1948 - kommt es wiederholt zu Plünderungen, Diebstahl und Mord durch ehemalige Zwangsarbeiter.
Life-Ausgabe vom 14. Mai 1945
"Das "Tagungslokal" der SA ist verlassen. Ausrüstungen und Mitgliederkarten liegen auf dem Boden." (Zeitzeuge)
März: Die ersten deutschen Flüchtlinge (etwa 1600) kommen in Haltern an. Sie werden u.a. in der Jahn-Sporthalle untergebracht. In 1945 und den folgenden Jahren kommen weitere von der provisorischen polnischen Regierung (entstanden aus demLubliner Komitee) ausgewiesene Deutsche aus den Gebieten östlich von Oder und Neiße nach Haltern. Sie mussten ihre Heimat verlassen um Platz zu machen für die Polen, die ihre Heimat in Ostpolen verlassen mussten. Vor Kriegsbeginn hatte Hitler die östlichen Landesteile Polens in einem Vertrag mit Stalin der UDSSR zugestanden. Stalin konnte in der Konferenz von Jalta diesen Gebietszuwachs der UdSSR auch gegenüber den USA und Großbritannien durchsetzen. Es kam so zu einer Westverschiebung Polens.
01. April: Am Osterfest bricht im Sägewerk Dickerhoff ein Großfeuer aus, wodurch auch mehrere Nachbarhäuser abbrennen.
Die 9. US-Armee richtet in Haltern ihr taktisches Hauptquartier ein
6. April: Carl Schenuit, Bürgermeister der Stadt Haltern, wird seines Amtes enthoben. Gleiches erfolgt mit dem Amtsbürgermeister Josef Kruse.
April: Beim Einmarsch in Recklinghausen befreite die 9. US Armee russische Zwangsarbeiter in einem Lager in Recklinghausen Süd (Hillerheide). Nach der Repatriierung dieser Zwangsarbeiter wurde das Lager in ein Lager für Kriegsgefangene, Kriegsverbrecher und belastete Deutsche umgewandelt. In diesem Lager werden auch ca. 25 mutmaßlich belastete Halterner interniert.
Beim Abzug in ihre Besatzungszone übergaben die Amerikaner am 11. Juli 1945 das Lager der Britischen Armee. (Nach Auflösung dieses Lagers am 15.04.1948 wurde das Gelände der Stadt Recklinghausen übergeben und diente zur Unterbringung von Bergleuten, später für Flüchtlingen aus den deutschen Ostgebieten.)
April: Der NSDAP-Ortsgruppenleiter Waldemar Benfer wird als belasteter NSDAP-Funktionär von der amerikanischen Armee verhaftet. Vom 25. April 1945 bis zum 14. November 1947 ist er in verschiedenen Lagern inhaftiert (Kreisberufsschule Lüdinghausen; Bunker zu Bochum-Gerke; offenes Lager Dülmen; offenes Lager Büderich; offenes Lager Rheinberg; Camp Recklinghausen-Süd; Zuchthaus Siegburg; Civil Internment Camp Nr. 5 in Paderborn-Staumühle).
April/Mai: Unter Aufsicht alliierter Soldaten müssen Halterner NSDAP-Mitglieder NS-Symbole von öffentlichen Gebäuden entfernen. Die während der NS-Herrschaft umbenannten Straßen und Gebäude erhalten ihre alten Namen zurück.
4. April: Die 9. US-Armee richtet ein taktisches Hauptquartier in Haltern ein.
Kennzeichnung des von der US-Armee beschlagnahmten Hauses
13. April: Bischof Clemens August Graf von Galen protestiert (schriftlich) bei dem Generalleutnant und Oberbefehlshaber der 9. US-Armee (William H. Simpson) in Haltern gegen die Übergriffe von ehemaligen NS-Zwangsarbeitern und Soldaten (Zitat: "Wenn nicht sofort durchgegriffen wird, die Vergewaltigung der Frauen, Plünderung und Diebstahl aufhören, müssen wir glauben, was uns gesagt wurde.")
Generalleutnant William Simpson (5. v.l.) mit seinem Stab in Haltern
In Simpsons Büroräumen wurde Franz von Papen (Reichskanzler 1932 und Vizekanzler der ersten Regierung Hitlers) verhört.
Franz von Papen nach seinem ersten Verhör in Haltern.
Juni: Die amerikanischen Truppen werden in die amerikanische Besatzungszone abgezogen. Die britische Militärverwaltung wird eingerichtet. Die Zuständigkeit für das DP-Lager Haltern geht in britische Hände über.
Zur Vorbereitung von US-Soldaten auf ihren Einsatz im besetzten Deutschland beauftragt das US Office of War Information Frank Capra einen Film zu drehen: Here is Germany:
31. Dezember: Auf Anordnung der Militärregierung sind mit Wirkung vom 31. Dezember
1945 folgende Beamte und Angestellte aus den Diensten der Stadtverwaltung
Haltern zu entlassen: Stadtrentmeister Franz Geesmann, Polizeiobersekretär,
Josef Hibbeln, Stadtförster, Paul Joppe, Stadtbaumeister, Hans Frank, Fahrbereitschaftsleiter,
Jürgen Liebermann und der Leiter des Ernährungsamtes Willi
Schürmann.
22. April: Wenige Tage nach seiner Ernennung zum Kardinal stirbt Clemens August von Galen.
Am 13. Mai 1946 bittet die Bevölkerung Halterns in einem Memorandum an die britische Militärregierung um mehr Sicherheit. Mit dem Memorandum wird eine Aufstellung über 17 Straftaten übergeben, verübt zwischen dem 27.04. und 12.05.1946 durch Bewohner des UNRRA-Lagers. Im gleichen Zeitraum gab es keine vergleichbaren Straftaten der deutschen Einwohner Halterns. (Eine verlässliche Statistik aus dieser Zeit existiert nicht.)
15. September: Die ersten freien Wahlen zu den Gemeinde- und Amtsvertretungen
Eine Einblick in das Nachkriegsdeutschland gibt ein von der britischen Armee gedrehter Film:
1947
Die IRO(International Refugee Organization) übernimmt zum 01. Juli 1947 als Nachfolger der UNRRA das Lager für Displaced Persons in Haltern.
1948
25.03. Das Lager für Displaced Persons in Haltern wird aufgelöst.
Zwischen November 1945 und Januar 1948 untersuchen die Alliierten den Erfolg der Entnazifizierung. Die gestellte Frage: War der Nationalsozialismus eine schlechte Idee, oder eine gute Idee, die schlecht ausgeführt wurde?
Die Meinung, dass der Nationalsozialismus eine gute Idee war, aber schlecht ausgeführt wurde, nahm im Betrachtungszeitraum von ca. 40% auf 54% zu, die Meinung, dass es eine schlechte Idee war, sank von ca. 43 % auf 38 %.
1950
5. August: Charta der deutschen Heimatvertriebenen (Verzicht auf Rache und Vergeltung für die Vertreibung, Schaffen eines geeinten Europas und die Beteiligung am Wiederaufbau Deutschlands und Europas)
2008
5. Juni 2008: Alexander Lebenstein, Holocaust-Überlebender aus Haltern, wird Ehrenbürger der Stadt Haltern am See
Zusammengestellt (und erweitert) aus:
Chronik der Stadt Haltern: bemerkenswerte heimatgeschichtliche Ereignisse in zeitlicher Reihenfolge / hrsg. anläßlich der Archivalienausstellung vom 16. - 22. Juni 1963 von der Stadtverwaltung Haltern.
Muhle, Josef: Kleine Chronik des Städtischen Gymnasiums Haltern, Haltern 1981.
Philipp Schaefer, Geschichte der Stadt Haltern, Münster 1939
Philipp Schaefer, Haltern 1939 - 1948, bearbeitet von Gerd Schaefer, Haltern 1995
Franz Luermann, Stadtchronik - 2000 Jahre Haltern, Haltern 2001
Bestände des National Archives, Kew, UK
Adolf Vogt, Vestische Hitlerjugend - Der "Bann 252 (Vest)", Recklinghausen 2004
National Archives UK, Kew, WO 235: Haltern Case und WO 235/347
Ortwin Bickhove-Swiderski, Nationalsozialisten erschießen Wilhelm Ricker — Mitglied des Reichsbanners in Dülmen, in: Dülmener Heimatblätter 2004, Heft 1